Rechte Schmierereien im Stadtgebiet

In den letzten Tagen sind in Goslar im Bereich der Innenstadt vermehrt Nazischmierereien und -aufkleber aufgetaucht.
Neben schwarzen „NSBA“-Tags (steht für „Nationaler Sozialismus bundesweite Aktion“) sowie einem „Lenin du Opfer, gib Handy“ Schriftzug finden sich unter anderem auch „JN“-Tags (Junge Nationaldemokraten) sowie Aufkleber der NPD und JN was darauf schließen lässt, dass der/die Täter_innen vermutlich aus dem Umfeld der rechtsradikalen NPD bzw. ihrer Jugendorganisation, den „Jungen Nationaldemokraten“ kommen. Bereits vor einigen Monaten tauchten ähnliche Graffitis bereits im Bereich des Schulzentrums Goldene Aue in der Bassgeige auf, wurden hier jedoch schnell von couragierten Antifaschist_innen entfernt.

Da Anfang März Kommunal- und Europawahlen sind, ist davon auszugehen das in den kommenden Wochen vermehrt mit rechten Propagandaaktionen zu rechnen ist, da der Wahlkampf meist die einzige Zeit ist wo die Nazis in der Region wirklich aktiv sind.
Daher ist es unbedingt notwendig, den Nazis auch dieses Jahr wieder offensiv entgegen zu treten, ihnen den Wahlkampf ordentlich zu vermiesen und ihrer menschenverachtenden Ideologie keinen Raum zu bieten!

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Gedenken an Karl Peix und Walter Krämer

Am 06. November 2013 jährt sich zum 72. mal der Mord an den beiden Antifaschisten und Widerstandskämpfern Karl Peix und Walter Krämer, die im KZ-Außenlager Goslar durch die SS ermordet wurden.

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Karl Peix wurde 1899 in Herzberg geboren und nahm als Soldat am 1. Weltkrieg teil. Er selbst war bei Kriegsausbruch 1914 erst 15 Jahre alt und kam später, noch minderjährig, zum Fronteinsatz. Die traumarisierenden Erfahrungen des Krieges prägten ihn. Nach Kriegsende war Peix im Emailierwerk der Lauterberger MIAG tätig und engagierte sich dort für die Arbeitnehmerbelange, weswegen er schließlich gekündigt wurde. 1920 wurde er Mitglied der USPD, wechselte 1921 zur KPD und war Mitbegründer der KPD in Bad Lauterberg. Zudem gehörte er dem Stadtrat von Bad Lauterberg an, und erhielt Abgeordnetenmandate im Kreistag Osterode und im Provinziallandtag Hannover. Peix beteiligte sich an Straßenschlachten mit der SA und geriet häufig in Konflikt mit der Staatsmacht und mit Rechtsradikalen, welche mehrfach Anschläge auf sein Wohnhaus verübten. Als nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 die „Ermächtigungsgesetze“ in Kraft gesetzt wurden tauchte er unter. Wenig später organisierte er als „Instrukteur für das Harzgebiet“ den antifaschistischen Widerstand und war der meistgesuchte „Staatsfeind“ in der Region. Trotz Großrazzien und erheblichen Überwachungsmaßnahmen im Südharz gelang es Peix immer wieder, den NS-Schergen zu entkommen. Schließlich wurde er im Oktober 1933 in Hannover von der Gestapo gefasst. 1937 überstellte man ihn nach mehreren Gefängnisaufenthalten ins KZ Buchenwald wo er zunächst als Sanitäter, und ab April 1939 als stellvertretender Häftlingspfleger unter Walter Krämer eingesetzt wurde.

Der 1892 in Siegen geborene Walter Krämer war ebenfalls als Soldat im ersten Weltkrieg, wurde jedoch gegen Kriegsende wegen eines Einbruchs in ein Lebensmitteldepot der Offiziere und wegen seiner Beteiligung an den Aufständen der revolutionären Matrosen in Kiel verhaftet. Nach der Novemberrevolution kehrte er 1918 zurück in seine Heimatstadt und engagierte sich im Siegener Arbeiter- und Soldatenrat. Wie Peix trat auch Krämer 1920 zunächst der USPD bei und wechselte noch im selben Jahr zur KPD und wurde dort 1923 zum Organisationssekretär im Unterbezirk Siegen. Neben seiner Tätigkeit in der Stadtverordnetenversammlung in der er ab 1925 für die KPD saß, war Krämer als Bezirkssekretär in Hannover, Kassel, Krefeld und Wuppertal tätig. 1932-1933 war er Mitglied des Preußischen Landtags. Am 28. Februar 1933 wurde Krämer in Hannover verhaftet und wegen Hochverrats zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Nach Haftende wurde er erneut durch die Gestapo festgenommen und zunächst im KZ Lichtenberg und später im August 1937 im KZ Buchenwald inhaftiert.

Walter Krämer wurde im April 1939 zum 1. Pfleger vom Dienst ernannt und Karl Peix zu dessen Stellvertreter. Entgegen den Anweisungen der SS, behandelten sie auch sowjetische Gefangene und konnten die Situation im Krankenbau grundsätzlich verbessern. Vor allem Karl Peix ist auch die Existenz der Widerstandsgruppe im Krankenbau zu verdanken, die den Kampf gegen die der SS treu ergebenen BV-Häftlinge, welche ebenfalls im Krankenbau tätig waren und dort die Kranken traktierten, organisierten.
Das Wissen sowohl um die Korruption im Lager, die illegalen Machenschaften der SS-Ärzte, als auch und vor allem die Syphilis-Erkrankung des Lagerführers Koch ließ Peix und Krämer zu unliebsamen Zeugen werden, weswegen sie auf Befehl Kochs Ende Oktober 1941 ins KZ-Außenlager Goslar geschickt wurden. Das Lager in Goslar umfasste 140 Häftlinge wovon ca. die Hälfte als Arbeiter beim hiesigen Fliegerhorst eingesetzt waren.
Im Außenlager angekommen standen Peix und Krämer unter absolutem Kontaktverbot. Krämer wurde zusammen mit fünf weiteren Häftlingen, und bewacht von zwei SS-Posten, bei einer Kiesgrube bei Hahndorf eingesetzt während Karl Peix dem Flieger-horst-kommando zum Ausschachten zugeteilt war.

Am 6. November 1941, es war ein kalter, nebeliger Novembertag, bekam Krämer den Auftrag von einer nahe der Kriesgrube gelegenen Pumpstation Wasser zu holen während die anderen Häftlinge in die Baubude geschickt wurden. Auf dem Weg dorthin wurde er hinterrücks von einem ihn begleitenden SS-Posten niedergeschossen. Ein zweiter Schuss beendete sein Leben. Etwa zur selben Zeit wird Peix in einem entlegenen Teil des Fliegerhorsts von einem SS-Mann mit einem Pistolenschuss hingerichtet. Später heißt es die beiden seien „Auf der Flucht erschossen“ worden. Eine typische Formulierung der damaligen Zeit um Verbrechen zu vertuschen. Die Mörder der beiden, die den Krieg überlebten, kamen nie vor Gericht.

Für uns ist es von enormer Wichtigkeit, dass weder die Opfer der NS-Herrschaft noch die Täter jemals vergessen werden. Daher haben wir am heutigen 6. November Blumen am Gedenkstein des KZ-Außenlagers in der heutigen Bassgeige niedergelegt und jeweils ein Foto von Karl Peix und Walter Krämer aufgestellt um den beiden NS-Opfern ein Gesicht zu geben. Zum Gedenkstein ist zu sagen, dass es zwar zu begrüßen ist, das dieser existiert, dessen Inschrift jedoch in gewisser Weise relativierend ist, da in keinster Weise die dort geschehenen Morde, sondern lediglich die bloße Existenz des Lagers thematisiert werden.

Gegen das Vergessen!
Remembering means fighting!

Rechte Umtriebe in Bockenem

In letzter Zeit kam es in Bockenem (Landkreis Hildesheim) wieder vermehrt zu rechten Umtrieben in Form von nationalistischen Schmierereien und Aufklebern. Hier ein Bericht von unseren GenossInnen aus Seesen:

>Nationaler Widerstand im Ambergau?<

„In der Nacht vom 22. auf den 23. August sind im Zentrum von Bockenem (Landkreis Hildesheim) und im Bereich der Realschule und der Grundschule vermehrt nationalistische Aufkleber und Schmierereien auf Bürgersteigen aufgetaucht.

Die Sticker verweisen darauf, dass der „Nationale Widerstand“ nun auch im Ambergau (mittelalterliche Bezeichnung für die Ortschaften rundum Bockenem) vertreten sei und werben für eine E-Mail-Adresse vom Maildienst „0×300“, welcher vom Dortmunder Neonazikader Dennis Giemsch betrieben wird.

Dass in Bockenem neonazistische Umtriebe im Gange sind, ist nicht erst seit dem 23.08. bekannt:

Einige rechte Jugendliche welche teilweise Kontakte in die Naziszene in Hildesheim und Bückeburg pflegen und sich um rechts-offene Fußballgruppen im Hannoveraner Oberrang tummeln, sind schon in der Vergangenheit durch gewaltsame Übergriffe auf vermeintlich alternative junge Menschen, sowie durch das Verbreiten von rechter Propaganda in Form von Aufklebern und Plakaten im Bockenemer und Seesener Stadtgebiet aufgefallen.

Zudem kam es vor einem Schulbesuch von Sally Perel („Hitlerjunge Salomon“) zu Hakenkreuz-Schmierereien an den Schulwänden, am Veranstaltungstag sogar zu Beleidigungen und Versuchen des Bespuckens gegen den 87-Jährigen Holocaust-Überlebenden.

Diese Taten wurden bis heute von den BürgerInnen im „Ambergau“ kaum bis gar nicht wahrgenommen beziehungsweise von einem Großteil der Dorf-Jugend nicht als negativ empfunden.

Es ist zwingend notwendig die Mobilisierung der Neonazis innerhalb der Schulen und der Treffpunkte der Jugendlichen in Bockenem zu unterbinden und den Nazis so den Nährboden zu entziehen. Es kann nicht sein, dass Nazibanden in abgelegenen Ortschaften fleißig Jugendliche für ihre menschenverachtenden Ideologien mobil machen können und ein Großteil der BürgerInnen, PolitkerInnen und PolizistInnen einfach wegsehe n.

Rechte Gewalt darf nicht verschwiegen werden! – Gegen nationale Komfortzonen in Bockenem und anderswo!“

Gemeinsam mit unseren GenossInnen aus Seesen stellen wir uns den aktuellen Geschehnissen in Bockenem entschlossen entgegen!
Es gibt kein ruhiges Hinterland!

AfD wird handgreiflich gegenüber AntifaschistInnen

Am Samstag den 17.08.2013 kam es im Laufe einer Wahlkampfveranstaltung der eurokritischen und rechtspopulistischen „Alternative für Deutschland (AfD)“ zu einem gewalttätigen Übergriff auf einen jungen Antifaschisten.

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Kurz nachdem die aus Hannover angereisten AfD-Wahlkämpfer rund um den Langelsheimer Sebastian Rinke ihren Stand in der Rosentorstraße in Goslar aufgebaut hatten, sammelte sich in unmittelbarer Nähe eine Gruppe junger AntifaschistInnen. Diese suchten sogleich die direkte Konfrontation mit den Rechtspopulisten der AfD wobei es zunächst zu verbalen Auseinandersetzungen und Beschädigungen an AfD-Wahlkampfmaterialien kam. Als die jungen AntifaschistInnen kurze Zeit später erneut am AfD-Stand vorbei liefen, kam es erneut zu verbalen Auseinandersetzungen. Im Laufe dieser ging ein AfD-Wahlkämpfer gezielt auf einen Antifaschisten zu und schlug diesen ohne Vorwarnung oder ersichtlichen Grund mit der Faust auf den Brustkorb. Aufgrund des sofortigen Einschreitens der anwesenden PolizeibeamtInnen wurde eine weitere Eskalation an dieser Stelle unterbunden. Später hieß es seitens der Polizei, dass sie diesen eindeutigen Übergriff nicht als Körperverletzung ansehen. Gleichzeitig nahmen sie von den anwesenden AntifaschistInnen die Personalien auf und drohten ihnen mit Platzverweisen sollten sie sich nicht freiwillig entfernen. Hier zeigt sich mal wieder, wie Staat und Nazis Hand in Hand gehen, während sich linke Jugendliche zunehmend staatlicher Repression und sogar rechten Übergriffen unter den Augen der Staatsmacht ausgesetzt sehen. Die AfD, welche an diesem Tag nur eine Hand voll Flugblätter verteilen konnte, trat wenige Minuten nach diesem Zwischenfall den Rückzug an und fuhr mit überhöhter Geschwindigkeit und offenem Kofferraum von dannen.
Auf das sie nie wieder kommen!

Auf nach Bad Nenndorf!

Am 03. August 2013 wollen die Neonazis in Bad Nenndorf erneut um deutsche Täter_Innen trauern. Rund um das Gefängnis der Alliierten im nenndorfer Wincklerbad haben die Neonazis einen geschichtsverdrehenden Opfermythos aufgebaut. Diesen inszenieren sie mit einem sogenannten Trauermarsch. Dieser Naziaufmarsch hat sich zu einem der größten in Norddeutschland entwickelt und gewinnt in der rechten Szene weiterhin an Bedeutung.

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2012: Sieg nach Punkten
Letztes Jahr gründete sich die Initiative „Kein Naziaufmarsch in Bad Nenndorf“. Sie wird von verschiedenen Organisationen, Gruppen und Parteien unterstützt und hat sich zum Ziel gesetzt, den Aufmarsch durch Blockaden zu verhindern.

Trotz aller Kriminalisierungsversuche durch Polizei und Verfassungsschutz beteiligten sich im letzten Jahr hunderte Menschen an Blockaden in Bad Nenndorf. Diese Aktionen führten dazu, dass die Anreise der Neonazis massiv erschwert wurde. So mussten sie in der Augusthitze kilometerweit laufen um Bad Nenndorf überhaupt zu erreichen. Dadurch wurde der Naziaufmarsch so stark eingeschränkt, dass er nahezu verhindert wurde. Die im Anschluss geplante Nazi-Kundgebung in Hannover musste abgesagt werden.

Letzte Jahr haben wir gezeigt: Entgegen vieler Einschätzungen sind erfolgreiche Blockaden auch in Bad Nenndorf möglich. Sie sind ein effektives Mittel um Nazis zu stoppen.

2013 Sieg durch K.O.
Im August 2013 werden wir den Aufmarsch konsequent verhindern! Dazu möchten wir unsere Initiative noch breiter aufstellen. Mit einer großen, bundesweiten Mobilisierung werden wir Bad Nenndorf in den nächsten Monaten zu einem Dauerthema machen. Unser Mittel sind weiterhin Massenblockaden und wir werden so viele Menschen mobilisieren, dass der Naziaufmarsch unmöglich wird. Von unseren Aktionen des Zivilen Ungehorsames wird dabei keine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die das Ziel teilen, den Aufmarsch zu verhindern.

Wir setzen dem Aufmarsch ein Ende!
Unterstützt unseren Aufruf. Kommt am 3. August 2013 nach Bad Nenndorf. Bringt viele Menschen mit. Gemeinsam sorgen wir durch Blockadeaktionen dafür, dass der Naziaufmarsch in Bad Nenndorf Geschichte wird.

(Aufruf der Initiative „Kein Naziaufmarsch in Bad Nenndorf“)

Mehr Infos unter: badnenndorf.blogsport.eu